alliance F sagt NEIN zur Chaos-Initiative – denn die Folgen müssten die Frauen tragen
Die Delegierten von alliance F, der Dachverband der Schweizerischen Frauenorganisationen, haben am Freitag, 8. Mai 2026, an ihrer 126. Delegiertenversammlung eine Resolution gegen die Chaos-Initiative der SVP beschlossen. Die zahlreich im Casino Bern erschienenen Delegierten waren sich einig: Die Folgen der Initiative wären besonders für Frauen verheerend.
Die Chaos-Initiative der SVP («Keine 10-Millionen-Schweiz!)»), die am 14. Juni 2026 zur Abstimmung kommt, verlangt eine starre Obergrenze der ständigen Wohnbevölkerung von 10 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050. Frauen wären davon besonders stark betroffen, wie mehrere Vorstandsmitglieder und Delegierte in ihren Voten festhielten: Ein Bevölkerungsdeckel würde den bereits heute akuten Fachkräftemangel in der Pflege älterer Menschen, in Spitälern und in der Kinderbetreuung weiter verschärfen – in Branchen, in denen Frauen die Mehrheit der Belegschaft stellen. Konkret hiesse das: Arbeitsbedingungen verschlechtern sich für die Frauen, Versorgungsengpässe drohen der Schweiz.
Die Annahme der SVP-Initiative würde Frauen gleich mehrfach treffen, wie Co-Präsidentin und Ständerätin Maya Graf festhält: «Die fehlende Betreuungs- und Pflegeleistungen würden sich ins Private verlagern – wo Frauen heute schon zwei Drittel der unbezahlten Care-Arbeit leisten. Die extreme Initiative gaukelt Lösungen vor, die keine sind – und richtet den Schaden vor allem bei den Frauen an. alliance F sagt deshalb klar und überzeugt Nein.» Die fundierte und breit argumentierte Resolution kann hier eingesehen werden.
Die Debatte trifft Frauen in der Schweiz in einer ohnehin schwierigen Zeit: Rund um den Globus sind Demokratien, Bürger:innenrechte und im Besonderen Frauenrechte täglichen Angriffen ausgesetzt – und der rasante technologische Wandel verstärkt diese Tendenzen noch. Zu diesem Schluss kam auch Marietje Schaake, Fellow an der Standford University, in ihrer Keynote an der Delegiertenversammlung mit dem Titel: «How Algorithms Fuel the Gender Backlash and Undermine Democracy - and What We Can Do About It». Sie ordnete die aktuelle Regulierung von Tech-Unternehmen kritisch ein, machte den Delegierten aber auch Mut, wenn sie erklärt: «We need to push back against abusive and misogynistic online platforms and algorithms. I hope you will join the fight!» An diesen Rezepten will sich alliance F orientieren – und schöpft im Gespräch mit der vom Wall Street Journal als «Europas vernetzteste Politikerin» bezeichneten Schaake Kraft – bezeichnenderweise im internationalen Austausch.
Trotz dieser aktuellen Herausforderungen schaute Co-Präsidentin Maya Graf auf ein erfolgreiches Verbandsjahr zurück. 2025 feierte alliance F ihr 125-jähriges Bestehen mit einer fulminanten Jubiläumsveranstaltung – und trieb seither unentwegt den «heiligen Dreiklang für Vereinbarkeit» voran: Familienzeit, Kinderbetreuung und Individualbesteuerung. So zählt alliance F im April 2025 zu den Mit-Initiantinnen der Familienzeit-Initiative zur Einführung einer Elternzeit in der Schweiz, deren Sammelfrist aktuell noch läuft. Alliance F hat sich über Jahre für das Kita-Gesetzes stark gemacht, das die Betreuungskosten für berufstätige Eltern um rund 20 Prozent senkt und im Dezember 2025 vom Parlament verabschiedet wurde. Und Dachverband und Stimme der Schweizer Frauen hat einen historischen Abstimmungssieg am Weltfrauentag, am 8. März 2026 als Teil einer breiten Allianz erkämpft: Die Schweizer Stimmbevölkerung sagte Ja zur Individualbesteuerung und brachte damit das Steuersystem der Nachkriegszeit in die Gegenwart. Zudem konnte die Wiedereinführung der Taschenmunition im Ständerat abgewehrt werden – ermöglicht durch eine einzigartige parteiübergreifende Einigkeit aller Ständerätinnen.
alliance F geht mit starkem Beispiel voran und betreibt eine ambitionierte Gleichstellungs- und Familienpolitik: Statt Chaos zu stiften, erarbeitet sie Lösungen. Statt zu polarisieren, stehen Frauen im Dachverband zusammen – überparteilich, konstruktiv, und zukunftsorientiert.